EIN BUNTER PIZZA NAPOLETANA AUSFLUGSTAG NACH ROSENHEIM UND MÜNCHEN

Ist es eigentlich verrückt, insgesamt 900 km an einem Tag zurückzulegen, nur um zwei Pizzerien zu besuchen, Pizza zu testen und dann wieder heim zu fahren? Ja, irgendwie schon, …wir haben das aber trotzdem gemacht.

Das Resümee dieser kleinen Pizzareise kann sehr treffend mit den Worten Johann Wolfgang von Goethes beschrieben werden „…Freudvoll und leidvoll, Gedankenvoll sein… Himmelhoch jauchzend, zum Tode betrübt…“

Das erste Ziel unserer Pizza-Tour war das Kaufland-Center in Rosenheim. In diesem Paradies der Schnäppchenjäger und Preisrabattsammler befindet sich eine wahre Perle für Freunde der echten Pizza Napoletana; die Pizzeria Bella Italia.

Vorab kann ich schon mal sagen, dass die Margherita dort eine der besten war, die ich je gegessen habe!

Darauf aufmerksam wurde ich durch Fotos auf der Facebook-Seite der Pizzeria. Das Know-how hinter den darauf gezeigten Pizze kann jeder erahnen, der sich schon einmal mit dem Backen von Pizza Napoletana auseinandergesetzt hat. Für mich war es daher nur noch eine Frage der Zeit, bis ich dieses Lokal besuchen würden.

Letzten Samstag war es dann endlich soweit. Wir kamen nachmittags beim Einkaufscenter an und machten uns sofort auf die Suche nach dem Pizzarestaurant, das schnell zu finden war.

Ein freundlicher, junger Servicemitarbeiter nahm unsere Bestellung entgegen und servierte schon sehr bald die bestellten Pizze.

Wie ich vermutete, waren diese von einer ausgezeichneten Qualität. Der Rand war auffallend voluminös, innen fluffig weich und hatte an der Oberfläche eine perfekte, eierschalenähnliche Knusperschicht. Die dezenten Röststellen am Boden waren sehr schön gleichmäßig verteilt und verliehen der Pizza wunderbare Röstaromen.

Der Fior di Latte und die Soße aus San Marzano Tomaten schmeckten fantastisch. Der verwendete Basilikum wurde zwar nicht gerade üppig aufgetragen, hatte aber ein erfreulich kräftiges Aroma. Der Salzgehalt der verwendeten Zutaten war perfekt aufeinander abgestimmt.

Wir testeten anschließend noch einige oberleckere Pizzavariationen, die uns der sehr kompetente Pizzaiolo und Inhaber Mirko Šebalj empfahl und waren auch von deren Qualität höchst begeistert.

Jeder der die Gelegenheit hat, sollte diese Pizzeria unbedingt besuchen. Meine absolute Empfehlung!

Nach diesem kulinarischen Feuerwerk machten wir uns auf den Weg zum Eataly – Münchens trendigem Tempel für italienische Feinkost. Dort wurde die erste deutsche Filiale der weltweit expandierenden, neapolitanischen Pizza-Restaurant-Kette Rossopomodoro eröffnet.

Das Ambiente des Eataly in der historischen Markthalle ist wirklich wunderschön. Das Rossopomodoro darin erinnerte optisch jedoch sehr an einen Messestand. Die jungen Pizzaioli arbeiteten ununterbrochen, sehr schnell und routiniert, fast schon maschinenhaft.

Pizzateig reagiert jedoch empfindlich wie eine Diva. Wenn diesem wegen Hektik und Stress bei der Pizzazubereitung keine angemessene Aufmerksamkeit geschenkt wird, dann schmeckt die Pizza nicht. Unsere Margherita war daher erwartungsgemäß eine derbe Enttäuschung.

Die, ohne Zweifel, sehr hochwertigen Zutaten dieser Pizza, wirkten zusammen unharmonisch und wenig delikat. Der Teig war, wie auch schon in Mailand, ein wenig zu salzig. Die Optik und der Geschmack der Münchner Pizza war jedoch ein echtes Trauerspiel.

Das Unternehmen Rossopomodoro ist ein Sammelbecken für höchste Pizza Napoletana Kompetenz. Sehr bekannte, innovative Pizzaioli aus der Region Neapel teilen für Rossopomodoro ihre Kenntnisse und Erfahrungen zu einem Konzentrat an wertvollstem Wissen. Es ist mir daher unbegreiflich, dass in München dermaßen seelenlose Teigfladen rausgeschickt werden dürfen. Mit „Vera Pizza Napoletana“ hatten diese nur noch sehr wenig zu tun.

Die Hauptpriorität liegt hier ganz offensichtlich bei den Umsätzen. Gier frisst auch Herz!

5 Gedanken zu „EIN BUNTER PIZZA NAPOLETANA AUSFLUGSTAG NACH ROSENHEIM UND MÜNCHEN“

  1. Hallo,

    Mit deiner Rezension zur Pizza bei Rossopomodoro sprachst du mir wahrlich aus der Seele. Auch ich bin letztes Wochenende zum Eataly gepilgert (wobei gepilgert nicht ganz richtig ist, da ich in München wohne…) und auch ich hatte hohe Erwartungen – insbesondere weil eine italienische Kollegin aus Neapel stammend mir ausdrücklich das Eataly wegen der Pizza empfohlen hatte.
    Aber auch ich war wahnsinnig enttäuscht über die Pizza. Der Teig hätte meines Erachtens noch eine Minute im Ofen vertragen: der Rand war weich, der Boden so labbrig, dass beim Anheben des Stückes der halbe Belag runterlief. Geschmacklich fand ich sie von den Zutaten jedoch auch gut: die Tomatensauce hat sehr frisch und der Büffelmozzarella sehr aromatisch geschmeckt.
    Meine Vermutung ist auch, dass dort aufgrund des Zeitdrucks nicht sehr sorgfältig gearbeitet wird, schade!

  2. Salve Julia,

    der weiche Rand und der instabile Boden gehören sich so für Pizza Napoletana.

    Oder wie Daniel Young es so schön auf den Punkt bringt: „Pizza in Naples is Strictly Softcore“ 🙂

    http://www.youtube.com/watch?v=d4xdd_u2toc

    Der Rand muss aber nicht unbedingt dicht und zäh sein, so wie wir das bei unserem Besuch im Rossopomodoro München erlebt haben, sondern sollte eher eine zart knusprige Außenschicht und einen fluffig weichen Kern haben.

  3. Hi , I Am a person who are really living for a Pizza Napoletana. Bella Italia in Kaufland have a quality that many other pizzerias all around Deutschland doesn’t have. So, your first stop should be there, to enjoy the taste with all your senses.

  4. Salve Udo, danke für den Tip mit Rosenheim. Das werde ich mir auf jeden Fall mal anschauen. Von Regensburg aus ist das auch nicht ganz so weit. Man kann das mal mit einem schönen Ausflug an den Chiemsee kombinieren. Hat der Maestro vom Bella Italia ein paar Geheimnisse verraten, was seine Teigherstellung angeht?
    Im Rossopommodoro in München war ich auch schon mal. Ich bin mit der Kritik nicht ganz so streng; meine Pizza sah auch etwas besser aus als die auf dem Bild von Dir. Umgehauen hat sie mich trotzdem nicht. Was mir im Rossopommodoro besser geschmeckt hat, war die Blechpizza a la Bonci.
    Großes Lob an Deinen Blog! Finde ich echt cool! Schöne Grüße, Peter

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.